EMDR – Therapie: wie eine Frau die Psychotherapie beeinflusste


EMDR einfach erklärt: Wie die Psychotherapie-Landschaft auf den Kopf gestellt wurde durch die Beobachtungen einer Frau in einer persönlichen Krise. ODER: Wenn das Nervensystem alte Belastungen neu sortiert

März 22, 2026 - Minuten Lesezeit

EMDR: Behandlung in der Praxis für Psychotherapie in Westerholt

EMDR: Die Kraft der Augenbewegungen

Wie belastende Erfahrungen neu eingeordnet werden können – und warum das oft mehr mit unserem Nervensystem zu tun hat, als man denkt

Einleitung

Viele Menschen tragen ihr Päckchen. Manche eher sichtbar. Andere ganz leise im Hintergrund. Und oft funktioniert das Leben trotzdem erstaunlich lange. Termine werden eingehalten, Verantwortung wird übernommen, nach außen wirkt vieles stabil. Bis irgendwann dieses Gefühl auftaucht, dass etwas innerlich nicht mehr so richtig in Bewegung kommt. Gedanken kreisen. Emotionen wirken intensiver, als sie eigentlich sein müssten.

Oder es gibt Momente, in denen das eigene Erleben plötzlich „überrollt“, ohne dass klar ist, warum.

Die Fähigkeit, Belastungen zu verarbeiten und nach inneren Erschütterungen wieder in eine Form von Ruhe zurückzufinden, ist ein zentraler Teil unseres psychischen Gleichgewichts.

Manchmal gelingt das gut.

Und manchmal eben nicht.

Genau an dieser Stelle setzt eine Methode an, die in den letzten Jahrzehnten zunehmend an Bedeutung gewonnen hat:

EMDR – Eye Movement Desensitization and Reprocessing.

Die Entdeckung von EMDR: Ein unscheinbarer Anfang

Die Geschichte von EMDR beginnt nicht in einem wissenschaftlichen Labor, sondern bei einem Spaziergang.

Francine Shapiro, ursprünglich Literaturwissenschaftlerin, befand sich damals selbst in einer belastenden Lebensphase. Ein paar Momente bevor erfuhr sie von einer eigenen schweren Diagnose, die sie ängstigte. Während sie voller innerer Unruhe durch einen Park ging, fiel ihr etwas auf: Ihre Augen bewegten sich – ausgelöst durch das Lichtspiel in den Blättern – hin und her.

Und gleichzeitig veränderte sich etwas in ihrem inneren Erleben. Gedanken, die zuvor belastend gewesen waren, verloren an Intensität. Nicht komplett weg. Aber spürbar weniger drückend. Ihr emotionaler Zustand beruhigte sich. Was viele vielleicht als Zufall abgetan hätten, ließ sie nicht los. Sie begann, sich intensiver damit zu beschäftigen, Zusammenhänge zu beobachten und erste Annahmen zu überprüfen. Und genau daraus entwickelte sich Schritt für Schritt das, was wir heute als EMDR kennen.

Wenn Verarbeitung ins Stocken gerät

Um zu verstehen, warum EMDR wirkt, lohnt sich ein kurzer Blick darauf, wie unser Gehirn mit Erfahrungen umgeht. Grundsätzlich ist unser System darauf ausgelegt, Erlebnisse zu verarbeiten und zeitlich einzuordnen. Dinge passieren, werden abgespeichert und verlieren mit der Zeit an emotionaler Intensität.

Doch bei stark belastenden oder überwältigenden Erfahrungen kann genau dieser Prozess ins Stocken geraten. In solchen Momenten reichen die inneren Kapazitäten oft nicht aus, um das Geschehen vollständig zu verarbeiten.

Das Erlebte wird dann nicht als abgeschlossene Erinnerung abgespeichert, sondern eher fragmentiert – in Form von Bildern, Körperempfindungen oder intensiven Gefühlen. Das kann dazu führen, dass sich diese Inhalte im Alltag immer wieder bemerkbar machen, denn sie sind hoch-triggerbar. Das bedeutet, dass ähnliche Reize eine Art Alarmiertheit und dazu passende intensive Gefühle auslösen.

Nicht als klare Erinnerung im Sinne von „Das war damals“, sondern eher wie ein inneres Wiedererleben.

Und genau hier entsteht ein entscheidender Punkt:

Das System kann in solchen Momenten oft nicht sicher unterscheiden, ob das, was gerade erlebt wird, zur Gegenwart gehört – oder ein Nachhall aus der Vergangenheit ist.

Was EMDR hier anders macht

EMDR setzt genau an diesem Punkt an. In einem geschützten therapeutischen Rahmen wird ein belastendes Thema behutsam aktiviert. Gleichzeitig erfolgt eine sogenannte bilaterale Stimulation – meist über Augenbewegungen, manchmal auch über andere Reize. Diese Kombination kann das Gehirn dabei unterstützen, die unvollständig verarbeiteten Inhalte weiter zu verarbeiten.

Dabei passieren zwei Dinge parallel:

  • Die emotionale Intensität kann sich verändern
  • und gleichzeitig kann sich die innere Bewertung des Erlebten verschieben

Das bedeutet nicht, dass etwas gelöscht wird oder wie so gern in Coachings gesprochen: „aufgelöst wird“. Wir können die Geschehnisse der Vergangenheit nicht auflösen. Sie sind passiert und es geht hier eher um ein Ingegrieren dieser (manchmal) bitteren Wahrheit.

Aber es kann sich anders anfühlen. Viele beschreiben es so, dass mehr Abstand entsteht. Dass sich etwas innerlich sortiert.

Und dass das System zunehmend erkennen kann: Das gehört zur Vergangenheit. Es ist vorbei.

Von einer Beobachtung zur weltweiten Methode

Was mit einer persönlichen Beobachtung begann, entwickelte sich über die Jahre zu einem strukturierten therapeutischen Ansatz. Francine Shapiro arbeitete mit vielen Menschen, entwickelte ein klares Protokoll und veröffentlichte erste Studien. In den folgenden Jahren wuchs das Interesse in der Fachwelt deutlich. Heute ist EMDR eine international anerkannte Methode, die in vielen Ländern eingesetzt wird und durch zahlreiche Studien gut untersucht ist.

Ursprünglich vor allem für die Behandlung von Traumafolgestörungen entwickelt, hat sich EMDR inzwischen weiter geöffnet.

EMDR jenseits von „großem Trauma“

In der Praxis zeigt sich immer wieder: Nicht nur große, offensichtliche Ereignisse können Spuren hinterlassen.

Oft sind es auch wiederkehrende Erfahrungen, die sich über die Zeit festsetzen:

  • ein dauerhaft erhöhter innerer Druck
  • Unsicherheit im Kontakt mit anderen, Schwierigkeiten in engen Beziehungen, besonders in Paarbeziehungen
  • ein Gefühl von „Ich muss funktionieren“,
  • oder diese schwer greifbare innere Unruhe
  • Oft gepaart mit dem Gefühl, allein auf sich gestellt zu sein

EMDR kann auch hier eingesetzt werden, weil es nicht nur auf das sichtbare Symptom schaut, sondern auf die zugrunde liegenden Verknüpfungen im Erleben.

Und genau darin liegt eine besondere Stärke dieser Methode.

Ein Blick aus meiner Praxis

In meiner Praxis für Psychotherapie in Westerholt/ Ostfriesland arbeite ich regelmäßig mit EMDR.

Dabei ist mir wichtig, dass die Methode nicht isoliert eingesetzt wird, sondern eingebettet ist in eine traumasensible und bindungsorientierte Begleitung.

Es geht nicht darum, etwas schnell zu „lösen“. Und auch nicht darum, dass es sich sofort leicht anfühlen muss. Sondern darum, Prozesse in Gang zu bringen, die sich stimmig entwickeln können.

Viele Menschen, die zu mir kommen, haben lange getragen. Viel ausgehalten. Oft funktioniert. Und oft wenig Raum gehabt, das eigene Erleben wirklich einzuordnen. EMDR kann hier eine Möglichkeit sein, diesen Raum wieder zu öffnen – Schritt für Schritt.

Warum EMDR so gut in unsere Zeit passt

Wir leben in einer Zeit, in der viele Menschen viel leisten. Und gleichzeitig wenig Pause haben. Der Kopf kann vieles erklären .Aber unser Nervensystem folgt nicht immer dieser Logik. EMDR ist ein Ansatz, der genau diese Ebene mit einbezieht. Nicht nur über Gespräche, sondern über das gesamte Erleben. Und vielleicht ist genau das ein Grund, warum diese Methode heute für viele Menschen so passend ist.

Fazit: Klar, strukturiert – und mit Tiefe

EMDR ist kein Wundermittel und ganz sicher keine schnelle Lösung. Aber es ist eine fundierte, gut erforschte Methode, die dabei unterstützen kann, festgefahrene innere Prozesse wieder in Bewegung zu bringen. Die Geschichte von Francine Shapiro zeigt dabei etwas sehr Menschliches: Manchmal beginnt Veränderung nicht mit einem großen Plan. Sondern mit einem Moment der Aufmerksamkeit in einem kritischen herausforderndem Moment. Und dem Entschluss, genauer hinzuschauen.

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Wer bist Du denn?

Sonja Kleene

Ich bin Heilpraktikerin für Psychotherapie und arbeite mit Leidenschaft und Hingabe In meiner Praxis in Westerholt in Ostfriesland.

Ich bin ein echtes Nordlicht, liebe meine Liebsten, die Brandung der Nordsee, gutes Essen, Tränen zu lachen, Pearl Jam, Alice in Chains und den HSV. 


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