Sonja Kleene

Was ist ein Entwicklungstrauma?

Du hast diverse Symptome und Du weißt nicht, warum? 
Innere Unruhe, nervös, getrieben, vielleicht auch ängstlich? 

Du verstehst nicht, warum Dich störende Verhaltensweisen sich so schlecht in den Griff kriegen lassen? Wie die Reduktion von Übergewicht?  Oder überschießende Emotionen?
 
Öfter als gedacht liegt ein Entwicklungstrauma mit Bindungsverletzungen all dem Stress zugrunde. 

Psychotherapie Entwicklungstrauma

Im Gegensatz zum Schocktrauma, in dem EIN Ereignis von schwerster Tragweite das System eines Menschen  erschüttert, entsteht ein Entwicklungstrauma durch einen längeren Belastungszeitraum meist in der Kindheit oder auch später. 

Der Unterschied von Schocktrauma und Entwicklungstrauma

Allein der Name TRAUMA lässt uns an das Schocktauma denken. 

Überwältigend und schrecklich. 

Schocktrauma ein einmaliges Ereignis, dass in der Schwere nahezu jeden Menschen erschüttern würde, ganz unabhängig von seiner Widerstandskraft (Resilienz). 


Beim Entwicklungstrauma geht´s subtiler zu Sache. Es spielen kleinere, aber andauernde, über einen längeren Belastungszeitraum stattfindende Verletzungen eine Rolle. 
Meiner Meinung nach wird dem Entwicklungstrauma heute nicht die Aufmerksamkeit gegeben, die es verlangt. 
Viele Symptome entspringen ihm und ich glaube, dass das Wissen über Entwicklungstrauma helfen kann, sich oder auch andere besser zu verstehen. 

Die Entstehung von Entwicklungstrauma

Hier kannst Du verschiedenste Bedingungen sehen, die ein Entwicklungstrauma begünstigen oder entwickeln.

Es kommt darauf an, ob die Zustände "mal vorkommen", oder dauerhaft waren. 

  • Als Baby schreien gelassen werden, bis es kollabiert und ruhig ist. Man nahm an, das Baby so lernen, sich selbst zu beruhigen. Leider können sie das nicht, weil der Parasympatikus (ein Teil des autonomen Nervensystems, das beruhigende Wirkung auf uns hat) noch nicht ausgebildet ist.  
  • Das Baby ist angewiesen auf die Beruhigung der Mutter. Ihr Parasympatikus wirkt auf das Baby ein. Wenn sie ruhig ist, beruhigt sich auch das Baby.
  • Die Mutter hatte in der Schwangerschaft oder in der frühen kindlichen Phase (und vielleicht ungünstigerweise dauerhaft) viel Angst und Sorgen. Somit kann ihr unruhiges System das Kind nicht beruhigen (Co-Regulieren).
  • Das Kind wächst in einem Elternhaus auf, in dem es nicht sicher gebunden ist, weil es es nicht alles bekommt, was es braucht. Es ist bedürftig und angewiesen auf Nahrung, wohltuende Wärme, liebevolle Zuwendung, Geborgenheit, Spiegelung und dem Wissen, es ist immer jemand da. Daraus bildet sich das Urvertrauen, eine tiefe Sicherheit im Innern.
  •  Nicht nur Vernachlässung des Kindes, sondern auch eine Übermutterung kann ein Entwicklungstrauma begünstigen, besonders bei gleichzeitiger emotionaler Kühle. Das trägt eine doppelte Botschaft in sich, die das Kind sehr verwirrt: eine Übermutterung, aber keine passende Emotion dazu.
  • Wenn Eltern übervorsichtig sind, kann das Kind zu der Annahme kommen, die Welt sei gefährlich. Das kann seinen Forscherdrang sehr bremsen und wichtige Entwicklungsschritte (das Explorieren) vereiteln.
  • Wenn Kinder, in der näheren Umgebung eine suchtkranke Bezugsperson erlebt, die es nicht gut versorgen und spiegeln kann.
  • Wenn junge Eltern mit sich selbst so viel zu tun haben, so dass das Kind seine Bedürfnisse nicht in Gänze gestillt bekommen kann. 
Alkoholsucht Entwicklungstrauma

Zusammengefasst: Welche Faktoren begünstigen Entwicklungstrauma?

Es gibt viele Faktoren, ein paar davon sind

  • frühe Bindungsstörungen und Verletzungen
  • (Sucht-) Erkrankungen eines Elternteils
  • Vernachlässigung oder Übermutterung (ggf. bei emotionaler Kühle)
  • Überforderungssituationen in jungen Jahren
Folgen von Entwicklungstrauma
Welche Probleme können bei Entwicklungstrauma entstehen?
  • eine niedrige Emotionsregulation haben, Gefühle können leicht überwältigen
  • Schwierigkeiten in Beziehungen
  • Das Gefühl von "nie ankommen" oder "nicht so richtig dazu zugehören".
Entwicklungstrauma

Bindungstrauma und Entwicklungstrauma

Ein Entwicklungstrauma besagt, dass aufgrund der schwierigen Bedingungen das Kind wichtige Entwicklungsschritte nicht machen konnte. 

Das System ist überreizt und überanstrengt, schlichtweg mit "Überleben" beschäftigt. 

Unser System kann jedoch nur lernen, wenn die Umgebung sicher ist und man sich geborgen fühlt. 

Einem Entwicklungstrauma gehen Bindungsverletzungen voraus, denn diese führen ja dazu, dass die Entwicklung nicht so gelingt, wie es vorgesehen ist. Das kann sich in fehlender Grenzsetzung äußern, um die fragile Bindung zu den Bezugspersonen nicht aufs Spiel zu setzen.

Oder es werden Strategien etabliert, wie jedem alles recht machen, das brave Kind, dass eigene Bedürfnisse lernt zu unterdrücken. 

Um das zu kompensieren, können wiederum Strategien genutzt werden, wie übermäßiges Essen. 

Das sind nur Beispiele. Es gibt vielerlei Ausprägungen, da jedes System individuell reagiert. 


Frühe Bindungsverletzungen und Entwicklungstrauma gehen also Hand in Hand. Deshalb wird Entwicklungstrauma oft auch Bindungstrauma genannt. 


Ich finde, dass es einen Unterschied gibt

Bindungstrauma: die Verletzungen, die daraus entstehen, nicht sicher gebunden, sich nicht gehört, gesehen und wertgeschätzt vom Gegenüber zu fühlen.

Entwicklungstrauma: die Entwicklungsschritte (wie z.B. Grenzsetzungen, das Gefühl für den eigenen Selbstwert, die eigene Identität ausbilden) können nicht in Gänze abgeschlossen werden. 

Das Problem im Hier & Jetzt:

Die verpassten Entwicklungsschritte beeinflussen das Gefühl zur eigenen Person z.B. das Selbstvertrauen in die eigenen Kräfte, wie Du über Dich denkst und wie Du letztlich mit Dir umgehst. Oft ist der innere Kritiker sehr aktiv. 

Bindungsverletzungen beeinflussen natürlich auch die Art und Weise, wie Beziehungen gestaltet werden. Es kommt oft zu Schwierigkeiten in engen Beziehungen, wie Paarbeziehungen und im Kontakt mit den Eltern. 

Es kann aber auch im gesellschaftlichen oder beruflichen Bereich dazu kommen. Viele meiner Klienten leiden z.B. unter Sozialangst. (Soziale Phobie, die Angst sich vor Menschen zu blamieren bzw. von ihnen bewertet zu werden.


Durch die fehlenden Grenzen könnte es sein, dass ein Gefühl der permanenten Überwältigung stattfindet, dass man sich überflutet von den Gegebenheiten des Lebens fühlt. Es ist alles zu viel, es kommt zu Übererregung und Erschöpfungszuständen.

Ein Bindungstrauma beeinflusst also die Beziehungen zur eigenen Person und zu anderen Personen im Leben, was die Lebensqualität ganz schön beeinträchtigen kann, denn wir sind bindungsorientierte Wesen.

Die Lösung:

Die gute Nachricht:

Menschen mit frühen Bindungsverletzungen können ihre Wunden heilen. Sie können neue Verhaltensweisen einüben und bekommen eine andere Ausstrahlung. Somit kann sich der Umgang mit sich selbst und mit anderen stark verbessern.

In einer traumasensiblen Therapie oder einem Coaching kann man sich den kindliche Anteilen zuwenden, die noch immer verletzt sind. Sie sind womöglich noch in großer Not und wünschen sich endlich Unterstützung. 

Auch wenn das Geschehene lange her ist, können geschulte Trauma-Experten an Inhalte gelangen, die im impliziten Gedächtnis gespeichert sind und uns möglicherweise gar nicht bewusst sind.

Diese Gedächtnisinhalte sind nicht über die Sprache zugänglich. (Deshalb hilft eine reine Gesprächstherapie nicht, diese Verhaltens- und Denkmuster zu verändern).

Ich möchte Hoffnung machen, sich jemanden zu suchen, wenn man ahnt, dass man allein nicht weiter kommt. Vieles kann sich im liebevollen Umgang mit sich selbst mildern. 

Trauma Heilen
Auch alte Wunden können heilen

Auch wenn die Ereignisse lang vorbei sind, kann Entwicklungstrauma heilen. Die damals zu überwältigenden Eindrücke können im Nachhinein verarbeitet werden. 


Diese Arbeit kann die Emotionsregulation so beeinflussen, dass bessere Beziehungen möglich sind.


Nicht nur zu anderen, auch zu sich selbst.

Über Sonja

Wenn Sonja nicht gerade an der Nordsee den Wellen zusieht, unterstützt als Heilpraktikerin für Psychotherapie feinfühlige Frauen, die das Gefühl haben "nur noch zu funktionieren", ihre Bedürfnisse frei und erfüllt zu leben.

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