Sonja Kleene

Anerkennung und die Sucht danach

Die Sucht nach Anerkennung

In diesem Artikel geht es um die Sucht zu gefallen, es möglichst allen recht zu machen, um dann akzeptiert, geliebt und geachtet zu werden. 

Anerkannt zu werden ist ein Grundbedürfnis, das wir alle haben. Wir wollen gesehen, geschätzt und geliebt werden. 

Ungünstig wird es, wenn wir dafür selbst übergehen und (faule) Kompromisse eingehen, die uns unsere Würde kosten.


So dass wir zwar überall beliebt sind, uns aber im Spiegel nicht mehr ansehen können, weil wir so vieles an uns verleugnen.


Dieser Deal ist höchst anstrengend und unbefriedigend.


Für ALLE Beteiligten.

Es ist eine Manipulation auf beiden Seiten. 

Das Ablegen dieser alten Muster kann sich gefährlich anfühlen, da sich dahinter die Angst abgelehnt oder verstoßen zu werden, verbergen kann.

Dennoch ist es möglich. Diese Selbstwert-Wunde kann heilen, wenn sie liebevoll versorgt wird.


Also, wenn das Muster (z.B. alles recht machen, sich nicht abgrenzen können) anstatt Freude LEID verursacht, dann kann dieses liebevoll verändert werden. Dieser Artikel soll Mut machen und Zuversicht geben.


Ich habe meine Ansicht dazu hier aufgeschrieben.

Sie ist bestimmt nicht vollständig und nicht wissenschaftlich belegt. Fühle Dich frei, mir am Ende eine Nachricht zu schreiben und mir Deine Erfahrungen oder Deine Sicht auf das Thema mitzuteilen. 

Das Problem dabei

Das Verbiegen und Verbeugen, um es allen recht zu machen, kostet einen hohen Preis:

Es nagt am Selbstwertgefühl. 

Eigene Gefühle und Bedürfnisse werden unterdrückt und hinten angestellt.


Die innere Verbundenheit wird geschwächt, da die Antennen eher nach Außen richten, anstatt das eigene Innere zu berücksichtigen.


Durch das Ausrichten auf das Gegenüber kann es sich so anfühlen, als würde man fremdbestimmt leben.


Die Selbstverleugnung kann sogar in eine Identitätskrise münden, denn wenn Bedürfnisse zu oft verleugnet werden, schwächt das die Orientierung. Oft äußert sich das durch Unentschlossenheit. 

So entsteht die Sucht nach Anerkennung

Wir alle sehnen uns nach Anerkennung.
Besonders für ein Kind ist wohlgesonnenes Feedback wichtig, um sich zu entwickeln und später selbstsicher durch die Welt zu gehen. Wenn uns das verwehrt bleibt, fühlen wir uns bestenfalls nicht beachtet und gesehen. 


Es sind die ersten Bindungen, die uns prägen.

Es beeinflusst ein Kind, wie in der Familie mit Kontakt umgegangen wird. Ist er liebevoll und wertschätzend? Oder haben die Eltern genug mit sich selbst zu tun, sind abgelenkt, nicht ansprechbar oder sogar gewaltsam? Oder bekommt das Kind doppelte Botschaften, sogenannte Double Binds? 


Wie viel Aufmerksamkeit wird sich gegenseitig geschenkt, wie wird in Konfliktsituationen miteinander umgegangen, wie empathisch sind die Familienmitglieder? Das kleine Wesen lernt, wie Beziehungen zu funktionieren scheinen.


Ganz unabhängig davon, wie wie Qualität der Verbindungen zueinander ist, für ein Kind sind sie existentiell.

Deshalb gilt es diese Verbindungen aufrecht zu halten. UM JEDEN PREIS:

Wir setzen daran und lernen, was dafür zu tun ist.


Um uns die Anerkennung zu holen, die wir so dringend brauchen, werden viele Wege genutzt.

Es kann als Folge dazu kommen, Kritik und Ablehnung zu vermeiden. Die Strategien, die dazu gewählt werden, sind nicht immer förderlich, um eigene Ziele zu erreichen. 

Wie zum Beispiel die Unternehmerin, die sich nicht gern auf den Sozialen Medien zeigt, weil sie Angst hat, dort doofe Kommentare zu bekommen. 

Im Kopf weiß sie, dass sie sich überwinden muss, um Kunden zu gewinnen. Dennoch ist ein wie ein unsichtbares Band, dass sie davon abhält. 


Klassiker der Sucht nach Anerkennung

  • Es versuchen, möglichst jedem recht zu machen
  • die eigenen Bedürfnisse und Meinungen hinten anstellen
  •  für die Anerkennung alles tun bis zur eigenen Selbstverleugnung
  •  dafür in Kauf nehmen, bis zur völligen Erschöpfung auszubrennen
  • Über-Anpassungs-Maßnahmen, die stressen und überfordern. Man fühlt sich innerlich wie getrieben, da immer auf alle Bedürfnisse im Aussen geachtet werden muss. 

Die Sucht nach Anerkennung hat auch andere Gesichter

Aber es gibt auch andere Formen, sich Anerkennung zu verschaffen. Nämlich über die Überkompensation.

  • Wie eine Flucht nach Vorne, um den Selbstwert und damit die eigene Anerkennung zu erhöhen
  • sich nur anerkannt zu fühlen, wenn Ziele fast unerreichbar sind 
  • andere zu dominieren, um über die Selbsterhöhung Anerkennung zu fühlen
  • durch Überaktivität Aufmerksamkeit erhalten
  • All diese Überkompensations-Maßnahmen führen zu Konflikten in der Umgebung, in den Beziehungen und Situationen, so dass der Selbstwert leidet und die anderen Personen auch.
Hab mich lieb um jeden Preis / die Sucht nach Anerkennung

Hab mich lieb um jeden Preis

Die Sucht nach Anerkennung und suchtkranke Elternteile


"Wenn ich doch nur wüsste, wie ich mich verhalten soll, um es Dir recht zu machen, dann wird alles gut".


Das Leben mit suchterkranken Elternteilen ist alles andere als leicht. 

Ihre Bewertung und Reaktionen auf kindliches Verhalten kann unberechenbar sein. Was heute okay ist, kann morgen schon völlig falsch sein.


Und doch versuchen die kleinen Wesen aus Leibeskräften herauszufinden, welcher Schlüssel nötig ist, um gelobt, geliebt und geachtet zu werden. Und um die Bindung, die lebensnotwendig ist, zu erhalten.


Eine Suche nach einem Schlüssel, die oftmals im Erwachsenenalter weiter geht.  

Suchtkranke sind nicht wirklich anwesend, wenn sie sich durch die Suchtmittel in ihre eigene Welt befördern. 
Sie sind somit nicht ansprechbar, können nicht adäquat auf die kindlichen Bedürfnisse eingehen, können es nicht spiegeln.

Auch wenn sie sich sicherlich sehr bemühen, wird es dem Kind nicht gerecht. 

Da ein Kind das noch nicht reflektieren kann, sucht es verzweifelt nach dem Schlüssel, wie es sich verhalten soll, damit alles gut wird. 

Dabei kommt oft die Sucht nach Anerkennung ins Spiel.

Die Sucht nach Anerkennung im Erwachsenen Leben

Die Muster der Kindheit wirken, bis wir uns den verletzten kindlichen Anteilen wohlwollend zuwenden. Oft bis in Erwachsenen Alter hinein. 

In den prägenden (vielleicht sogar traumatischen) Situationen entstehen sogenannte Glaubenssätze oder innere Überzeugungen, die unser weiteres (Er)leben einfärben, als hätten wir eine getönte Brille auf. 

"Ich muss es allen recht machen, ich muss perfekt sein, ich muss mich anstrengen, ich muss mich beeilen, ich muss stark sein..." sind antreibende Sätze, die aus kompensatorischen inneren Anteilen kommen können. 


Die Vorteile der Sucht nach Anerkennung

Jedes noch so dysfunktionale Muster hat seine Berechtigung, den es dient auf irgendeine Weise.

Selbst die Sucht nach Anerkennung.

Der verletzte kindliche Anteil wird geschützt, indem eine Bewältigungsstrategie installiert wird, mit der das Überleben (die Sicherung der Bindung) gewährleistet wird. 

Deshalb sind die Anteile, die lösungsorientierte Strategien liefern, niemals "böse". 


Die Sucht nach Anerkennung trainiert uns, bloß keine Fehler zu machen

Später in der Schule lernen wir sogar, dass wir gelobt und gut bewertet und benotet werden, wenn wir möglichst keine Fehler machen. Da ist die Maßgabe: möglichst alles richtig machen, auf Fehler achten und uns stetig verbessern, ansonsten droht eine schlechte Beurteilung.


Unsere Aufmerksamkeit wird sehr auf die Fehlersuche ausgerichtet. So kann das Selbst-Reflektieren dazu führen, dass wir uns mehr und mehr verbessern, unseren Ehrgeiz anstacheln und uns zu Höchstleistungen bringen. Schließlich funktioniert das Schneller-Höher-Weiter-Konzept auch im Sport ganz gut. 


Ein weiterer Vorteil ist es, dass sich beim Anerkennungs-Bedürftigen brillante Fähigkeiten ausbilden.
Wie z.B. blitzschnell erkennen zu können, was das Gegenüber gerade braucht. Das trainierte ich in meiner Kindheit bis zur Perfektion.
Sich flexibel an alle Umstände anpassen können, was auch immer gerade gebraucht wird, kann beruflich und privat eine große Ressource sein. 



Wir machen oftmals mit

Vielleicht hast Du eine Kollegin oder Freundin, die immer ja sagt, immer bereit ist zu helfen, immer zustimmt.

Es gibt wenig Reibung, man fragt sie gern, den die Gefahr eines Neins ihrerseits ist gering. Sie ist super beliebt.


Wenn all das freiwillig aus vollem Herzen passiert, ist nicht dagegen einzuwenden. Erst wenn diese Gefälligkeiten mit der eigenen Würde bezahlt werden, ist der Preis hoch.

Sich permanent zu übergehen nagt am Selbstwert.


Wir aber haben möglicherweise einen Vorteil davon und halten diese Muster mit aufrecht. Natürlich liegt es in erster Linie in der Verantwortung des "Anerkennungs-Bedürftigen" das zu verändern.


Aber mitunter machen wir uns als Co-Abhängige schuldig, indem wir es schlicht und einfach ausnutzen, dass jemand nicht nein sagen kann. 



Der Nachteil von Sucht nach Anerkennung

Da der Fokus auf den Bedürfnissen des Gegenübers liegt , werden die eigenen Bedürfnisse hinten angestellt.

Die interne Verbindung wird schwächer und schwächer, weil die Aufmerksamkeit die meiste Zeit nach außen gelenkt wird.

Durch den äußeren Fokus werden eigene Fähigkeiten und Stärken nicht erkannt und nicht wertgeschätzt.

Die Meinung wurde so oft angepasst, dass man manchmal gar nicht mehr weiß, was man eigentlich will oder meint. Entscheidungen zu treffen fällt schwer, weil man es gewöhnt ist, sich anzupassen.

Dieses Gefühl nagt im Inneren. Um das auszuhalten, werden oftmals Strategien gebraucht, die dann wiederum ihren Preis kosten:

Oft machen sie süchtig, unzufrieden oder übergewichtig: denn diese Selbstverleugnungen kosten Kraft. Eine Sehnsucht nach Trostpflastern, menschlicher Wärme und Schutz kann auf Suchtmittel umgelenkt werden

Die Lösung, die zu neuen Problemen führte

Unser System verlangt nach einer Balance. Unschöne Gefühle wollen neutralisiert werden. Bei mir waren es früher Schokolade und Käse, die mir immer wieder ein Wohlfühlgefühl gaben, auch wenn wieder einmal all meine Bemühungen gescheitert waren. Sie regulierten mich.

 Schon beim Schmecken beruhigte ich mich innerlich und konnte für einen kurzen Moment unbeschwert sein.

Allerdings kamen kurz danach dann das schlechte Gewissen wegen meiner immer dicker werdenden Figur.

Heute kann ich durch meine Erfahrungen Frauen, die sich beim Abnehmen die Beruhigungs-Strategie "Essen" verbieten wollen, unterstützen, mithilfe der Anteile Arbeit andere, tiefere Wege zu gehen. 

Herz als Symbol für die Anerkennung und Liebe
Sonja fröhlich

Es ist nie zu spät, glücklich und erfüllt zu sein.

Sind wir der Sucht nach Anerkennung ausgeliefert?

Nein, wir können uns durch unser innere Aktualisierungs-Fähigkeiten auf einen neuen State upgraden.


Du kennst bestimmt den gutgemeinten Rat: "gib Dir einfach selbst die Anerkennung".
 Ja super, aber wie geht das? 


Wenn Du das allein nicht machen magst und Dir eine Begleitung wünscht, dann suche Dir bestenfalls eine professionelle, traumasensible Unterstützung dazu.


Denn wir können uns im Nachhinein das Geben, was uns damals gefehlt hat, die verletzten kindlichen Anteile versorgen und die dazu passenden Bewältigungsstrategien würdigen und wohlwollend integrieren.


Das nennt man in der Psychologie das Nachnähren. 


Auch die dazugehörigen Glaubenssätze können sich dann günstig verändern.  

.

Manchmal sind es gar nicht unsere Ängste, sondern übernommene Ängste und Befürchtungen unserer Lieben, die es loszulassen gilt.


Dieses können wir in Meditationen tun oder in Briefen verschriftlichen, um uns davon zu befreien. 


Ob wir diese Briefe jemals abschicken ist dabei zweitrangig. Wichtig ist, dass wir uns zu unseren wahren inneren Gefühlen bekennen und sie akzeptieren, damit sie sich wandeln können. 


Das Fazit

Es ist nie zu spät, etwas Neues zu lernen, sich von Altem zu befreien um glücklich und frei zu werden. 

Die Sucht nach Anerkennung abzulegen ist ein Prozess, der durchaus Zeit braucht.


Alte Wunden heilen, indem hungrige Sehnsüchte nach genährt werden.


Es ist der Weg zurück zur Selbstachtung, Selbstfürsorge und Selbstliebe.

Über Sonja

Wenn Sonja nicht gerade an der Nordsee den Wellen zusieht, unterstützt als Heilpraktikerin für Psychotherapie feinfühlige Frauen, die das Gefühl haben "nur noch zu funktionieren", ihre Bedürfnisse frei und erfüllt zu leben.

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