Die Sucht nach Anerkennung

Selbstwert-Challenge

Darum geht es bei der Sucht nach Anerkennung

In diesem Artikel geht es um die Sucht zu gefallen, es möglichst allen recht zu machen, um dann akzeptiert, geliebt und geachtet zu werden. 

Anerkannt zu werden ist ein Grundbedürfnis, das wir alle haben. Wir wollen gesehen, geschätzt und geliebt werden. 

Ungünstig wird es, wenn wir dafür selbst übergehen und Wege beschreiten, die uns unsere Würde kosten. So dass wir zwar überall beliebt sind, uns aber im Spiegel nicht mehr ansehen können, weil wir so vieles an uns verleugnen.
Dieser Deal ist höchst anstrengend und unbefriedigend. Für ALLE Beteiligten. Es ist eine Manipulation auf beiden Seiten. 

Das Ablegen dieser alten Muster kann sich gefährlich anfühlen, da sich dahinter die Angst abgelehnt oder verstoßen zu werden verbergen kann.

Dennoch ist es möglich und äußerst lohnenswert. 


Also, wenn das Muster anstatt Freude LEID verursacht, dann kann dieses verändert werden. Dieser Artikel soll Mut machen, es zu versuchen.

Da die Sucht nach Anerkennung ein menschliches Muster ist, gibt es sämtliche Graustufen dazu. 

Ich habe meine Ansicht dazu hier aufgeschrieben. Sie ist bestimmt nicht vollständig und nicht wissenschaftlich belegt. Fühle Dich frei, mir am Ende eine Nachricht zu schreiben und mir Deine Erfahrungen oder Deine Sicht auf das Thema mitzuteilen. 

Das Problem dabei

Das Verbiegen und Verbeugen, um es allen recht zu machen, kostet einen hohen Preis:

Es nagt am Selbstwertgefühl. 

Eigene Gefühle und Bedürfnisse werden unterdrückt und hinten angestellt.

Die innere Verbundenheit wird geschwächt, da die Antennen eher nach Außen richten anstatt das eigene Innere zu berücksichtigen.

Durch das Ausrichten auf das Gegenüber fühlt es sich an, als würde man fremdbestimmt leben.

Die Selbstverleugnung kann sogar in eine Identitätskrise münden, denn wenn Bedürfnisse zu oft verleugnet werden, schwächt das die Orientierung. Oft äußert sich das durch Unentschlossenheit. 

So entsteht die Sucht nach Anerkennung

Wir alle brauchen sie. Besonders für ein Kind ist wohlgesonnenes Feedback wichtig, um selbstsicher durch die Welt zu gehen. Wenn uns das verwehrt bleibt, fühlen wir uns nicht beachtet und gesehen. 

Es sind die ersten Bindungen, die uns prägen. Es beeinflusst ein Kind, wie in der Familie mit Kontakt umgegangen wird. Ist er liebevoll und wertschätzend? Oder haben die Eltern genug mit sich selbst zu tun, sind zu abgelenkt oder sogar gewaltsam? 

Wie viel Aufmerksamkeit wird sich gegenseitig geschenkt, wie wird in Konfliktsituationen miteinander umgegangen, wie empathisch sind die Familienmitglieder? 

Ganz unabhängig davon, wie wie Qualität der Verbindungen zueinander ist, für ein Kind sind sie existentiell. Deshalb gilt es diese Verbindungen aufrecht zu halten. 

Wir setzen daran und lernen, was dafür zu tun ist.


Um uns die Anerkennung zu holen, die wir so dringend brauchen, werden viele Wege genutzt, viele haben pauschal das Bedürfnis Kritik und Ablehnung zu vermeiden. Dabei gehen Anerkennung und Aufmerksamkeit gekommen Hand in Hand.


Klassiker der Sucht nach Anerkennung

  • Es versuchen, möglichst jedem recht zu machen
  • die eigenen Bedürfnisse und Meinungen hinten anstellen
  •  für die Anerkennung alles tun bis zur eigenen Selbstverleugnung
  •  dafür in Kauf nehmen, bis zur völligen Erschöpfung auszubrennen
  • Diese Über-Anpassungs-Maßnahmen stressen und überfordern. Man fühlt sich innerlich wie getrieben, da immer auf alle Bedürfnisse im Aussen geachtet werden muss. 

Die Sucht nach Anerkennung hat auch andere Gesichter

Aber es gibt auch andere Formen, sich Anerkennung zu verschaffen. Nämlich über die Überkompensation.

  • Wie eine Flucht nach Vorne, um den Selbstwert und damit die eigene Anerkennung zu erhöhen
  • sich zu sabotieren, um Ziele unerreichbar zu machen 
  • andere zu dominieren, um über die Selbsterhöhung Anerkennung zu fühlen
  • durch Überaktivität Aufmerksamkeit erhalten
  • durch die Überschätzung der eigenen Fähigkeiten vorprogrammierte Niederlagen erleben
  • All diese Überkompensations-Maßnahmen führen zu Konflikten in der Umgebung, in den Beziehungen und Situationen, so dass der Selbstwert geschwächt wird. 


Hab mich lieb um jeden Preis

Sonja & die Sucht nach Anerkennung


Früher als Kind hab ich oft gedacht: "wenn ich doch nur wüsste, wie ich mich verhalten soll, um es Dir recht zu machen, dann wird alles gut".

Das Leben mit einer suchtkranken Mutter war alles andere als leicht. 

Ihre Bewertung meiner Bemühungen waren oft unberechenbar. 

Und doch versuchte ich aus Leibeskräften herauszufinden, welcher Schlüssel nötig ist, um gelobt, geliebt und geachtet zu werden.
Ich dachte, wenn ich ES RICHTIG MACHE, werde ich endlich geliebt, zumindest mal gelobt oder meine Taten anerkannt. 


Damit war der Grundstein für die Sucht nach Anerkennung gelegt. Eine Suche, die nie endete. Schließlich gab immer etwas zu finden, was ich eben nicht gut genug gemacht hatte und somit FALSCH war.

Die Sucht nach Anerkennung im Erwachsenenleben

Die Muster der Kindheit wirken, bis wir sie aktiv und bewusst verändern. So schleppt sich dieses gern mit ins Erwachsenenleben. In den prägenden Situationen entstehen sogenannte Glaubenssätze, dass sind innere Überzeugungen, die unser weiteres (Er)leben einfärben, als hätten wir eine getönte Brille auf. 

Es gern "allen recht machen wollen" ist ein Anspruch, für den Vieles geopfert wird:
- die eigenen Bedürfnisse, die hinten angestellt werden
- die eigene Meinung, die gern mal für den anderen umgebogen wird
- der eigene Wert, den man nicht mehr wahrnimmt.


Die Vorteile der Sucht nach Anerkennung

Jedes noch so dysfunktionale Muster hat seine Berechtigung, den es dient auf irgendeine Weise.

Selbst die Sucht nach Anerkennung. 


Später in der Schule lernen wir, dass wir gelobt und gut bewertet und benotet werden, wenn wir möglichst keine Fehler machen. Da ist die Maßgabe: möglichst alles richtig machen, auf Fehler achten und uns stetig verbessern, ansonsten droht eine schlechte Beurteilung.

Unsere Aufmerksamkeit wird sehr auf die Fehlersuche ausgerichtet. So kann das Selbst-Reflektieren dazu führen, dass wir uns mehr und mehr verbessern, unseren Ehrgeiz anstacheln und uns zu Höchstleistungen bringen. Schließlich funktioniert das Schneller-Höher-Weiter-Konzept auch im Sport ganz gut. 

Ein weiterer Vorteil ist es, dass sich beim Anerkennungs-Bedürftigen brillante Fähigkeiten ausbilden.
Wie z.B. blitzschnell erkennen zu können, was das Gegenüber gerade braucht. Das trainierte ich in meiner Kindheit bis zur Perfektion.
Sich flexibel an alle Umstände anpassen können, was auch immer gerade gebraucht wird, kann beruflich und privat eine große Ressource sein. 



Wir machen oftmals mit

Vielleicht hast Du eine Kollegin oder Freundin, die immer ja sagt, immer bereit ist zu helfen, immer zustimmt.

Es gibt wenig Reibung, man fragt sie gern, den die Gefahr eines Neins ihrerseits ist gering. Sie ist super beliebt.


Wenn all das freiwillig aus vollem Herzen passiert, ist nicht dagegen einzuwenden. Erst wenn diese Gefälligkeiten mit der eigenen Würde bezahlt werden, ist der Preis hoch.

Sich permanent zu übergehen nagt am Selbstwert.

Wir aber haben möglicherweise einen Vorteil davon und halten diese Muster mit aufrecht. Natürlich liegt es in erster Linie in der Verantwortung des "Anerkennungs-Bedürftigen" das zu verändern. Aber mitunter machen wir uns als Co-Abhängige schuldig, indem wir es schlicht und einfach ausnutzen, dass jemand nicht nein sagen kann. 



Der Nachteil von Sucht nach Anerkennung

Da der Fokus auf den Bedürfnissen des Gegenübers liegt , werden die eigenen Bedürfnisse hinten angestellt. 

Die interne Verbindung wird schwächer und schwächer, weil die Aufmerksamkeit die meiste Zeit nach außen gelenkt wird.

Durch den äußeren Fokus werden eigene Fähigkeiten und Stärken nicht erkannt und nicht wertgeschätzt.

Die Meinung wurde so oft angepasst, dass man manchmal gar nicht mehr weiß, was man eigentlich will oder meint. Entscheidungen zu treffen fällt schwer, weil man es gewöhnt ist, sich anzupassen.


Dieses Gefühl nagt im Inneren. Um das auszuhalten, werden oftmals Strategien gebraucht, die dann wiederum ihren Preis kosten:
Oft machen sie süchtig, unzufrieden oder übergewichtig: denn diese Selbstverleugnungen kosten Kraft. Eine Sehnsucht nach Trostpflastern, menschlicher Wärme und Schutz wird immer stärker.



Die Lösung, die zu neuen Problemen führte

Sonjas Strategie führte ins Übergewicht

Unser System verlangt nach einer Balance. Unschöne Gefühle wollen neutralisiert werden. Bei mir waren es Schokolade und Käse, die mir immer wieder ein Wohlfühlgefühl gab, auch wenn wieder einmal all meine Bemühungen gescheitert waren. Schon beim Schmecken beruhigte ich mich innerlich und konnte für einen kurzen Moment unbeschwert sein.

Allerdings kamen kurz danach dann das schlechte Gewissen wegen meiner immer dicker werdenden Figur.

Darum sind wir süchtig nach Anerkennung

Bei der Sucht nach Anerkennung geht es um das Gefühl, dass uns bestärkt, übergeordnet geht es aber um Bindung, die uns am Leben hält. Bindungen geben also Sicherheit. 

Bindungen sind wie das Salz in der Suppe. Wir können uns gegenseitig emotional berühren, bestärken und anerkennen.  

Durch das DU wird das ICH vollständig. Tiefe Bindungen erlauben es uns, Vertrauen zu fassen oder gar Liebe zu spüren. Tiefe Gefühle, die uns stark und glücklich machen. Uns selbst zu trauen, uns zu vertrauen. Uns zu lieben, weil wir merken, dass wir liebenswert sind. Uns wertzuschätzen, weil wir geschätzt werden.


Nicht anerkannt und beachtet zu werden macht uns krank. Wir verkümmern emotional wie eine Blume ohne Wasser. Das Feedback der ersten Stunde (oder der ersten Phasen des Lebens) ist so wichtig.


Auch unser Gehirn giert nach Anerkennung. Lob und Anerkennung lösen Ausschüttungen von Dopamin aus, einem Botenstoff, der uns euphorisch fühlen lässt und uns motiviert. 

Es steigen weitere Körpereigene Opiate und das "Kuschelhormon" Oxytocin (das Bindungshormon, dass u.a, auch beim Geburtsprozess und beim Stillen ausgeschüttet wird). So entsteht durch die Anerkennung eine Art Glücksgefühl, das biologisch nachweisbar ist. 


Bindung und Anerkennung oder die Würde und der Stolz?

Doch bevor ich mein Bindungsverhalten als Erwachsene unter die Lupe nahm, machte  ich als damals kleine Sonja noch einen Ausflug auf die andere Seite.

Als Kind meinen wir uns manchmal für eins von beiden entscheiden zu müssen. So bin auch ich, nachdem ich nach zahlreichen Bemühungen und dem guten Glauben, "wenn ich mich nur genug anstrenge, wird alles gut" bitter enttäuscht worden.

Und dann wendete sich für mich das Blatt ins Gegenteil. 


Nachdem meine Mutter einen Entzug in einer fernen Klinik antrat und danach nie mehr nach Hause zurück kam, fühlte ich mich wie verraten. 

Ich bezog ihre Entscheidung auf mich, war verwirrt, ich hatte mich doch gefühlt an alle Deals gehalten und trotzdem wurde eben nicht wie versprochen "alles gut".

Meine neue Strategie: "Dann eben nicht"

In mir erwachte mein Stolz und anstatt mir helfen zu lassen, entschied ich mich in dem Moment "gegen einige Bindungen". Ich wollte nie mehr so verletzt werden.
Noch schlimmer wäre es gewesen, hätte man mich getröstet. Ich wehrte es unbewusst durch gekonnte Kratzbürstigkeit ab.


Diese Entscheidung ist damals nicht bewusst, sondern unbewusst getroffen worden. 

Sie wurde nach zig Stunden Coaching und Selbstreflektion für mich offensichtlich.

Heute weiß ich, warum Trost für mich nicht aushaltbar gewesen wäre. Nähe fühlte sich gefährlich an. Ich hätte meine Emotionen nicht halten können und das wäre wahrscheinlich in einer "mir peinlichen" Heulattacke ausgeartet. 

Noch jahrelang verspürte ich bei herzergreifenden Szenen im Film einen dicken Kloß im Hals und konnte kaum atmen.


Ich wollte damals meinen Zustand nie mehr von Gefühlen der Anerkennung oder Liebe abhängig machen und ging in die Autonomie. 

Das schien mir sicherer, kostete aber auch seinen Preis.

Ich konnte schlecht um Hilfe bitten, empfand es lange Zeit als Schwäche. "Lieber mach ich alles allein, als zu bitten und zu betteln". 

Das war ein tiefer Glaubenssatz, damit keine Enttäuschung folgen konnte. 

Leider macht so ein Grundsatz sehr einsam. "Besser als sich zu sehr zu öffnen".
Ich erkenne tiefes Misstrauen in meinem Blick, wenn ich Fotos von damals anschaue.

Mein Schokoladenkonsum stieg ins Unermessliche.

Ich besorgte mir Mengenweise Süßkram und futterte sie allein in meinem Zimmer in mich hinein. So bekam meine Einsamkeit eine süße Komponente.


Kein "Entweder-Oder" sondern beides: Anerkennung & Würde

Eine krankhafte Sucht nach Anerkennung und Bindung mit allem Verbiegen und Verbeugen ist selbstwert-schädigend und kostet die eigene Würde.


Für die Würde auf die Anerkennung und Bindung zu verzichten ist mindestens ebenso ungünstig. 

Ideal wäre es, wenn es kein Entweder-Oder gibt, sondern beides gesund gelebt werden kann. Wenn die eigene Anerkennung im Inneren so ausgebildet ist, dass man sie nicht zwingend von Außen braucht und dafür bereit ist, ALLES zu tun.


Aus Sicherheitsgründen auf tiefere Bindungen zu verzichten, ist als würde man sich um die schönsten Gefühle zu be*cheißen. 

Ohne Bindungen sind wir einsam und allein.

Wie gesagt, das ICH wird durch ein DU vollständig. 


Das Leben ist viel leichter und schöner, wenn es möglich ist, um Hilfe zu bitten, ohne dass das die Würde kostet.

Wenn tiefe Gefühle der Liebe gefühlt werden können, ohne die Angst, wieder enttäuscht und letztlich allein zurück zu bleiben.

Herz als Symbol für die Anerkennung und Liebe

Die Sucht nach Anerkennung hat viele Gesichter

Die Sucht nach Anerkennung entwickelt sich nicht nur aus einem "zuwenig" an Anerkennung, sie kann auch durch Überbehütung oder Überforderung entstehen.


Kerstin steht voll im Leben, hat beruflich alles im Griff. Auch privat ist sie glücklich in einer Beziehung.

Nur das Grenzen setzen fällt ihr schwer, wenn es um sie selbst geht.

Sie kann nicht neinsagen, wenn sie um etwas gebeten wird, aus Angst, andere zu enttäuschen.

Neulich in einer Versammlung stimmte sie zu, für die nächste Feier zwei Kuchen zu backen, obwohl sie in dem Moment schon wusste, dass sie so in zeitliche Schwierigkeiten käme. Die Vorsitzende tat ihr so leid, weil sich keiner auf die Anfrage melden wollte.


Bei Diskussionen mit ihrem Freund beißt sie sich eher auf die Lippen, als das sie ihre Meinung vertritt.

Nur bei heftigen Streits kommt dann alles aus ihr heraus, was ihren Freund dann total verwirrt und schockiert. 

Bei der Frage, was sie denn selbst gern möchte, kann sie kaum antworten.


Die tieferen Gründe für Kerstins Sichtweise & Verhalten

Durch die Angst, sich anderen zuzumuten, andere zu enttäuschen, zu verärgern oder traurig zu machen, hat auch sie feine Antennen entwickelt, was ihr Gegenüber erwartet.

Dieses Gespür nutzt sie, um dann die passende Antwort oder Leistung zu erbringen. Leider stellt auch sie ihre Bedürfnisse dafür zurück und tut so, als wäre alles okay.

Sie nimmt dafür Nachteile in Kauf und steht nicht zu ihrer wahren Meinung. 

Ihr Gegenüber hat keine Ahnung, dass ihr "okay" nicht der Wahrheit entspricht. 

Das Problem: 

Ihr Freund hatte keine  Ahnung, dass sich hinter Kerstins Zustimmungen eher ein Klein-Beigeben versteckte. 

Sie hatte Angst, sich ihm in Gänze zuzumuten und war schon oft über ihre Grenzen gegangen, dass sie sie nicht mehr wahr nahm. 

Auch er wurde auf subtile Art manipuliert:

  • sie traue ihm nicht zu, die wahre Kerstin zu ertragen
  • sie verschleierte ihre Meinungen und Bedürfnisse
  • er hatte eigentlich keine Chance, es "richtig zu machen"
  • sie brachte sich selbst um eine neue Lernerfahrung

Sie machte so immer wieder dieselben Lernerfahrungen, die sie schon als Kind machte.

Das färbte ihre Wahrnehmung ein und sie fühlte sich so in ihrem Muster bestätigt.


Die Sucht nach Anerkennung bei Kerstin


Kerstin war die ältere Schwester von zwei Kindern. Ihr kleinerer Bruder wurde bei Strafen oft verschont, während sie hörte: "das hättest Du doch wohl wissen müssen, dass man das nicht tut!" 


Andererseits lobten ihre Eltern sie über alle Maßen, was für ein "liebes Kind" sie doch immer sei. 

Sie wäre so artig, rede niemals gegen und tat alles, um zu gefallen. 

Sie hatte schnell das Gefühl, ihren Eltern die "wahre lebendige Kerstin" nicht zumuten zu können. Besonders nicht ihrer Mutter, die eher ängstlich war. 


Zu viel Verantwortung und Leistungsdruck in jungen Jahren

Zu hohe Verantwortung kann dazu führen, sich später nicht zu trauen, für sich einzustehen. Sie war die ältere Schwester, aber immerhin ein Kind. Es fühlte sich überfordert, dass sie die Verantwortung für sich und ihren Bruder übernehmen sollte. Sie bekam viel Feedback in Form von Kritik: "Fehler! Falsch gehandelt, falsch gemacht, falsch entschieden", aber auch "das hättest Du wissen müssen". Das schwächt das Selbstvertrauen und das Selbstbewusstsein für die eigenen Fähigkeiten und Stärken, die bestimmt altersgemäß gut angelegt waren.


Als Kind stellt man jedoch die Vorwürfe der Eltern nicht infrage. 


Auch ein "Hochloben" kann dazu führen, dass ein permanente Überforderung entsteht. 

Die Motivation, ständig "supergut" sein zu müssen, ist ein Anspruch, der nur sehr wenig Raum fürs Ausprobieren lässt. Eine Art Leistungsdruck, der nur schwer auszuhalten ist. Auch denn können ungünstige Strategien helfen, die sich langfristig als ungesund herausstellen. So wie bei mir die Schokolade. 


Das kann sogar in eine Identitätskrise münden

Rein nach Motto: "Du bist, was Du tust" wird die Leistungsfähigkeit mit der Identitätsebene verknüpft.

Wenn das Kind spürt, dass es nur dann ein "liebes Kind" ist, wenn es still ist und wenig lebendig ist, sich nicht traut, sich und das Leben zu entdecken, kann es sich nicht frei entwickeln. 

Die Angst, dann nicht mehr das "liebe Kind" zu sein, nicht mehr lieb gehabt zu werden, führt dazu, sich mehr und mehr zu verbiegen. 


Sich nicht zumuten zu dürfen mit all der Lebendigkeit fühlte sich für Kerstin gefährlich an. Schließlich wollte sie ihre Mutter nicht ängstigen. Lob war ihr nur sicher, wenn sie "schön lieb und artig" sei. 

Ihr Explorationsverhalten, ihre Lust sich auszuprobieren und zu erforschen, wie das Leben in Gänze schmeckt, wurde arg gebremst. 

Bis heute hat sie das Gefühl, sich lieber nicht zuzumuten und ist als "ja-Sager" bei Gefälligkeiten auf der sicheren Seite.

Lösungen für das Dilemma

Sich bewusst machen, dass die Eltern von damals ihr Bestes gegeben haben, aber vieles nicht wussten. 

Möglicherweise ist ihnen nicht bewusst, dass es ein Unterschied zwischen dem Verhalten eines Kindes und der Identität besteht. 

Beispiel: Du bist nur dann ein liebes Kind, wenn Du Dich so und so verhältst.

Somit wird die Leistung mit dem Wert des Kindes verknüpft. Im Umkehrschluss bedeutet es, dass das Kind bei Fehlern "nicht mehr lieb/ nichts mehr wert" ist.


Auch wenn ich Dein Verhalten nicht gut finde, ändert nichts an Deinem Wert oder daran, das Du ein liebes Kind bist.


Die Verantwortung, die damals zu groß war, kann dem Elternteil zurückgegeben werden. Das geht in Meditationen oder Briefen, die nicht abgeschickt werden.


Denn trotz all des Verständnisses für die Eltern haben die Maßnahmen möglicherweise Schrammen hinterlassen, die wir nun eigenverantwortlich pflastern und in Heilung bringen können. 


Sonja fröhlich

Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben

Sind wir der Sucht nach Anerkennung ausgeliefert?

Nein, wir können uns durch unser innere Aktualisierungs-Fähigkeiten auf einen neuen State upgraden.

Wir können uns im Nachhinein das Geben, was uns damals gefehlt hat. 

Das nennt man in der Psychologie das Nachnähren. 

Auch auf der Glaubenssatz-Ebenen kann eine Transformation der ungünstigen Überzeugungen zu grundsätzlichen Veränderungen führen.

Und oftmals macht es Sinn, auf der Identitätsebene neue Überzeugungen zu etablieren. 

Manchmal sind Ängste dafür verantwortlich, dass sich das wahre ICH lieber verstecken und anpassen möchte, anstatt sich in Gänze zu zeigen. Manchmal ist die Größe nicht zumutbar, zu gefährlich oder nicht erkennbar.

Manchmal sind es gar nicht unsere Ängste, sondern übernommene Ängste und Befürchtungen unserer Lieben, die es loszulassen gilt.

Dieses können wir in Meditationen tun oder in Briefen verschriftlichen, um uns davon zu befreien. 

Ob wir diese Briefe jemals abschicken ist dabei zweitrangig. Wichtig ist, dass wir uns zu unseren wahren inneren Gefühlen bekennen und sie akzeptieren, damit sie sich wandeln können. 


Das Fazit

Es ist nie zu spät, etwas Neues zu lernen, sich von Altem zu befreien um glücklich und frei zu werden. 

Die Sucht nach Anerkennung abzulegen ist ein Prozess, der durchaus Zeit braucht.

Aber sich so sehr lohnt. Alte Wunden heilen, indem hungrige Sehnsüchte nach genährt werden, macht unabhängig von den ungünstigen Strategien.


Es ist der Weg zurück zur Selbstachtung und zur Selbstfürsorge. 💙💙💙

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